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Was hinter Analleiden steckt

Schmerzen am After? Seltsames Gefühl beim Stuhlgang? Warum es wichtig ist, bei Problemen die Scham zu überwinden und bei Analbeschwerden zum Arzt zu gehen
von Silke Droll, 07.07.2017

Lästiges Leiden: Analprobleme erschweren oft den Stuhlgang

W&B/Simon Katzer

Frederik Mader sieht in seiner Praxis in Nittendorf in der Oberpfalz manchmal außergewöhnliche Selfies – von einer Körperregion, deren Anblick nicht alltäglich ist: dem ­­­After. Wer dort Probleme hat, will wissen, was los ist. Dazu braucht man einen Spiegel oder eben ein Smartphone.

Was die Handykamera festhält, bekommt dann der Arzt präsentiert. Meistens sind es geschwollene Knoten mit gestocktem Blut in der Größe eines Kirschkerns am Darmausgang. Die Betroffenen können vor Schmerzen oft kaum mehr sitzen und sind in heller Aufruhr. Ist das ein Tumor? Wie wird man die Dinger am Po wieder los? "Eine harmlose Geschichte, die wieder vergeht", kann Allgemeinmediziner Mader meist beruhigen. Und damit geht es vielen Patienten schon besser.

Dr. Frederik Mader, Allgemeinarzt aus Nittendorf

W&B/Ulrike Frömel

Analvenenthrombose: Harmloses Blutgerinnsel am After

Bei den Knoten handelt es sich um Analvenenthrombosen, oft fälschlicherweise als Hämor­riden bezeichnet. Sie machen etwa ein Viertel der diagnostizierten Afterleiden aus. Es sind harmlose Blutgerinnsel in den Gefäßen, die fast immer plötzlich auftreten. Mader: "Man kann einfach abwarten, bis sie von allein verschwinden, und so lange entzündungshemmende, schmerzlindernde Salben und Tabletten nehmen."

Werden die Analvenenthrombosen jedoch größer, sollten sie entfernt werden. "Das geschieht unter örtlicher Betäubung", erklärt Mader. Die Wunde bleibt anschließend offen, damit das Sekret abfließen kann. Nach jedem Stuhlgang wird der Bereich abgebraust. So sollte das Problem nach wenigen Tagen behoben sein.

Wohlstand macht den Stuhl hart

Die Ursache der Thrombosen lässt sich nicht genau klären. Wahrscheinlich ging eine schwierige Sitzung auf der ­Toilette mit viel Pressen voran. Starker Druck stoppt den Blutfluss in den Venen, führt zu einem Gerinnsel.

Einzige mögliche Präventionsmaßnahme ist, den Stuhl weich zu halten –generell der beste Tipp zur Vorbeugung von Analleiden. "Völker, die sich faserreicher ernähren, also weniger Fleisch und mehr Gemüse essen, haben weniger Enddarmprobleme. Viele Anal­lei­den sind typisch für unsere Wohlstands­gesellschaft", sagt der Freiburger Koloproktologe Dr. Bernhard Stritt­mat­ter. Ballaststoffarme Nahrung führt zu eingedicktem Stuhl. Das Gleiche gilt für zu wenig Sport und Bewegung im Alltag.

Doch auch mit einem optimal beschaffenen Stuhl lassen sich nicht alle analen Beschwerden vermeiden. Wenn sich die Hämorriden, die Gefäßpolster in den letzten Zentimetern des Enddarms, vergrößern, liegt das zu 80 Prozent an einer genetisch bedingten ­Gewebeschwäche und kann schlicht eine Alterserscheinung sein, wie Strittmatter erklärt.

Analfissuren verursachen stechende Schmerzen beim Stuhlgang

Schmerzhafter als viele Hämorriden-Probleme sind Analfissuren, die ebenfalls etwa ein Viertel aller Analbeschwerden ausmachen. Die kleinen Risse im "Anoderm", der sensiblen Haut im After, treten vor allem bei jüngeren Patienten auf.

Etwa bei Studenten in der stressigen Prüfungszeit. Sie ernähren sich häufig schlecht, trinken zu wenig, der Stuhl wird hart, und sie pressen auf der Toilette. Die Analhaut reißt ein, und der Schmerz erhöht die Spannung im Schließmuskel. Dadurch wird der Enddarm weniger durchblutet, und winzige Wunden heilen nicht.

"Ein harter Partikel im Kot ritzt dann ganz leicht, und der Riss wird immer größer", erklärt Mader. Jeder Stuhlgang verursacht in der Folge stechende Schmerzen. Salben können die Pein etwas lindern und die Heilung fördern. Weitere seltene Risikofaktoren für Analfissuren sind Antibiotika- und Chemotherapie, weil dadurch die Haut empfindlicher wird, sowie Analverkehr.

Frühzeitig zum Arzt gehen

Egal um welche Analbeschwerden es sich handelt: Wenn auf dem Klopapier oder in der Toilette Blut entdeckt wird, sollten Betroffene zum Arzt gehen. Frauen, die ähnliche Untersuchungen vom Gynäkologen kennen, tun das eher als Männer. "Letztere kommen erst, wenn es gar nicht mehr geht. Die Scham ist groß", sagt Strittmatter.

Doch es lohnt sich, Hemmungen zu überwinden. Das verkürzt den Leidensweg, denn die Therapie kann eher beginnen. Und die Untersuchung ist bei den meisten Analleiden weitgehend schmerzfrei.

Viele Ärzte untersuchen Betroffene in Seitenlage auf einer Liege. Mader ist, wie die Facharzt-Kollegen, mit einem gynäkologischen Stuhl und den speziellen Instrumenten ausgerüstet. Der Arzt tastet zunächst mit dem Finger, und falls er ein Instrument einsetzen muss, kann er den Analkanal leicht betäuben oder bei stärkeren Schmerzen den Patienten sedieren.



Bildnachweis: W&B/Ulrike Frömel, W&B/Simon Katzer

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